Tierfotos im Stuttgarter Schlossgarten
 
Jahreskalender "Stuttgarter Amazonen 2019"




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Der Kalender ist im Format DIN-A3 und kostet 15 €. Er ist direkt bei uns erhältlich, in der Buchhandlung Wagner in Bad Cannstatt (Marktstraße 34) sowie auch bei der Mahnwache gegen Stuttgart 21 in der Schillerstraße in Stuttgart gegenüber dem Hauptbahnhof.


Perseus' Odyssee auf die Filder und zurück nach Stuttgart


Perseus kurz bevor er verschwand

Wie die zwei Jahre alte Stuttgarter Amazone "Perseus" sich im April 2017 plötzlich alleine in Leinfelden verirrt hatte, bleibt uns ein Rätsel. Letztes Jahr nach der Osterzeit wurde mir und meiner unverzichtbaren Amazonenforschungs-Kollegin Bianca von vielen Seiten berichtet, dass in Leinfelden sowie in Möhringen seit einiger Zeit eine freilebende Gelbkopfamazone regelmäßig gesichtet wurde. "Vermissen sie vielleicht nicht eine von ihren Schützlingen?"

Dieser Vogel erschien aber immer alleine. Wir gingen deswegen davon aus, dass es sich um einen entflogenen Hauspapagei handelte. Denn unsere wilden Amazonen können zur Nahrungssuche mehrere Kilometer zurücklegen bis Fellbach, Mühlhausen oder Mönchfeld, aber nie alleine! Amazonenpapageien sind extrem gesellig und bleiben immer paarweise oder in einer Gruppe zusammen. Die einzige Ausnahmesituation entsteht in der Brutzeit, wenn das Weibchen ca. 2 Monate lang in ihrer Bruthöhle versteckt brütet und das Männchen alleine für sie und später für den Nachwuchs das Futter heranschaffen muss.

Dass eine Stuttgarter Amazone ohne Begleiter die ganze Strecke bis Möhringen/Leinfelden zurückgelegt hatte und dort so lange Zeit verharrte, konnten wir uns gar nicht vorstellen. Nun bekamen wir eine Videoaufnahme des mysteriösen Exoten, wo wir eindeutig die typischen "schwäbischen" Rufe unserer Amazonen erkannten. Bei vielen Vogelarten variiert ihr Gesang gemäß der regionalen Population. Nach dreißig Jahren isoliertem Leben im Talkessel haben auch unsere Gelbkopfamazonen ihren eigenen "Schwäbischen Dialekt" entwickelt, der sich von den Rufen ihrer Artgenossen in Amerika oder den der Hauspapageien unterscheidet.


Er ist ein lustiger Typ, ein bisschen schusslig und ein Vielfraß...

Wir unternahmen einen Ausflug nach Leinfelden und dank genauerer Auskünfte der Bewohner dort, ist es uns sofort gelungen den einsamen Papagei in der Nähe des Friedhofs zu Gesicht zu bekommen. Gleich erkannten wir "Perseus", den wir tatsächlich seit Mitte April 2017 vermissten. Perseus war Ende August 2015 als der älteste Sohn des Pärchens "Mimi und Rodolfo" im Stuttgarter Schlossgarten ausgeflogen.


Perseus und sein Schwesterchen "Pilvi" schauen aus ihrer Bruthöhle im August 2015

Er überlebte erfolgreich sein erstes Jahr und nach dem zweiten Winter, das heißt kurz vor seinem Verschwinden, hatte er sich dem Weibchen "Thelma" angeschlossen. In kurzer Zeit wurden die beiden unzertrennlich und hielten sich gerne mit einem älteren Paar "Kirke" und "Julius" zusammen im Schlossgarten auf. Wir nannten sie "Kirkes Follower".


Thelma, Perseus und Kirke

Plötzlich am 14. April 2017 verschwanden auf einmal diese zwei "Follower" zusammen mit "Julius" zu dritt. Nach zwei Wochen tauchte Thelma alleine wieder am gleichen Ort auf. Wir vermuteten, dass die drei vielleicht bei einer Verfolgungsjagd, die in der Brutzeit bei vielen Vogelarten häufig entsteht, einen verhängnisvollen Zusammenstoß erlebt hatten. Mit dem Brutbeginn reagieren besonders die Amazonenmännchen aggressiver gegenüber anderen Artgenossen. Vielleicht hatte nur Thelma diesen Zwischenfall überlebt.


Julius greifft Perseus und Thelma an

Was bedeutet aber jetzt, dass Perseus alleine in Leinfelden plötzlich erschien? Er war sicher nicht selbst hingeflogen, ansonsten hätte er seinen Weg zum Schlossgarten wieder gefunden. Könnte es sein, dass er nach einer Kollision von einem Passanten benommen aufgefunden, nach Leinfelden/Möhringen mitgebracht und nach der Heilung direkt vor Ort freigelassen wurde? Es wäre die einzige Erklärung, warum er seinen Heimweg selbst nicht mehr finden konnte. Anders als z.B. die Tauben, die eine magnetische Orientierungsfähigkeit besitzen, finden die Amazonenpapageien ihren Weg, indem sie sich optische Merkmale in der Landschaft merken. In einer unbekannten Landschaft sind sie deswegen total verloren.

Nach dem Verschwinden von Perseus hatte Thelma keinen neuen Partner mehr angenommen, obwohl es genügend Verehrer gab. Ihr gefiel nur Perseus und sie blieb den Rest des Jahres 2017 alleine. Um die Einsamkeit zu vermeiden, flog sie weiter hinter "Kirke" her, die sich mittlerweile ihrem neuen Partner "Sirius" angeschlossen hatte.


Eine Fressgemeinschaft im Winter. Die Amazonen fressen nur selten alleine...

Nun versuchten wir mit einer Tonaufnahme der Rufe der Stuttgarter Amazonen Perseus anzulocken und die Strecke bis zur Stadtmitte ihm zu zeigen. Perseus hatte hoch in einer Birke am Rand der Felder Platz genommen und rief aus vollem Hals nach seiner Partnerin. Das ist jetzt die Chance, dachten wir. Bianca ließ das Tonband laufen. Sofort wurde Perseus aufmerksam, streckte seinen Hals nach vorn und stürzte mit Freudenrufen Richtung Biancas Auto, woher die heißbegehrten Laute kamen. Wir fuhren ein Stück weiter und ließen nochmals das Tonband laufen. Leider hatte der schlaue Vogel schon unseren Trick durchschaut. Diesmal flog er mit schimpfenden Rufen über uns in die andere Richtung weg.

Wir blieben hilflos, auch Perseus. Rebecca Elliott, unsere Korrespondentin in Leinfelden, berichtete uns weiter, wie es ihm ging. Mittlerweile konnte Rebecca auch den Schlafbaum von Perseus entdecken, eine Platane in der Adlerstraße, wo er unermüdlich morgens und abends nach Artgenossen rief. Anfang Januar 2018 berichtete sie uns, dass Perseus die Knallerei in der Silvesternacht gut überstanden hatte. "Hoffentlich werden wir dieses Jahr eine Lösung für ihn finden", antwortete ich, aber glaubte eigentlich nicht mehr, dass wir ihn retten könnten. Komplizierte Situationen in der Natur lösen sich manchmal von selbst. Man könnte es auch ein "Wunder" nennen. Am 12. Januar stand ich noch im Morgengrauen bei unserer täglichen Populationskontrolle unter einer Schlafplatane der Amazonen in Bad Cannstatt und konnte nicht glauben, was ich sah. Neben Thelma saß Perseus, es gab keinen Zweifel!


Kein Zweifel, Perseus ist wieder in Cannstatt!

Nicht nur sein Aussehen, sondern auch das Verhalten war das von Perseus, wie ich ihn kannte: er flatterte schusslig hinter seiner Thelma her, und als die Gruppe in der Platane daneben zum Futter suchen startete, flog er gleich mit davon. Er bemerkte aber, dass seine Freunde noch in ihrem Schlafbaum geblieben waren und kam eilig wieder zurück.

Ich erinnerte mich, dass am Vortag eine große Gruppe Amazonen zur Nahrungssuche Richtung Stuttgart-Ost davon geflogen war. Mit dem jetzt immer knapper werdenden Futterangebot können wir vermuten, dass die Gruppe ziemlich weit nach Süden Richtung Degerloch geflogen war, so dass Perseus ihre Rufe in der Luft hören konnte. In einer ruhigen Umgebung kann das menschliche Ohr die Amazonen Rufe aus ca. 1 Kilometer Entfernung hören. Uns ist schon aufgefallen, dass die Papageien selbst schon aus größerer Entfernung sich verstehen können.

Nun ist Perseus wieder voll in seinem Element! Er geht stets zusammen mit Thelma und natürlich "Kirke" und "Sirius" auf Futtersuche, wie früher! Wenn das Wetter milder ist, besucht die Gruppe wieder den Schlossgarten um ein Brutrevier dort zu markieren. Aus Leinfelden kommt jetzt kein Bericht mehr, was für uns die beste Nachricht bedeutet!


Perseus nach seiner Rückkehr in einem Zierapfelbaum mit Kirke und anderen Artgenossen


Unsere Stadt-Papageien leben in einem für sie doch nicht hundertprozentig geeigneten Lebensraum. Sie verhalten sich trotzdem dort furchtlos und manchmal übermütig, so dass Kollisionen gegen Fensterscheiben oder Autos nicht selten sind. Wenn Sie eine verletzte Amazone finden sollten, prüfen Sie bitte zunächst, ob der Vogel fliegen kann. Wenn ja, lassen Sie ihn bitte an einer sicheren Stelle direkt in der Nähe wieder frei. Fast alle Amazonen bei uns haben einen festen Partner, von dem sie nicht einfach getrennt werden dürfen. Nur wenn festgestellt wird, dass der Vogel flugunfähig ist, bitten wir Sie möglichst schnell uns zu kontaktieren unter papageien@stuttgarter-amazonen.de. Wir werden ihn sofort zu einer speziellen Vogelpraxis bringen.


Perseus und Thelma versuchen zum ersten Mal sehr ungeschickt sich zu paaren...


Eine Bruthöhle brauchen sie auch...

Perseus in der Presse:
Cannstatter Papagei ist wieder zurück (Cannstatter Zeitung)
Wie ein Papagei aus dem Exil zurück zu seiner Liebsten fand (Stuttgarter Zeitung)


Broschüre über die Stuttgarter Amazonen

Die Papageien von Stuttgart -Amazonen in der Großstadt
von Tomoko Arai, Bianca Hahn und Dieter Hoppe (2016)




vergriffen


Frühlings 2017-Bildergalerie



Während unsere Amazonenkolonie den harten Winter gut überstanden hat (mit doch ein paar Erfrierungen an ihren Zehen), konnte ich nach der kalten Welle das hübsche Eisvogel-Weibchen nicht mehr im Park sehen. Da das Gewässer zugefroren war, hat es vielleicht woanders nach einem anderen Winterquartier gesucht...

Im Rosensteinpark haben etliche neue Bauarbeiten für die Tunnel von S21 begonnen. Am Hang oberhalb der Neckarstraße wurden erneut Bäume gefällt, Gebüsche beseitigt und in der Wiese gebuddelt. Wenn ich manchmal nach alten Bildern suche, bin ich sprachlos festzustellen, wie das Grün früher in unserem Park reich und üppig war. Was jetzt übrig geblieben ist, sieht kahl wie ein Skelett aus... Früher hatte man von dem Stadtlärm sowie Straßen- und Schienenverkehr kaum was mitbekommen. Nun ist es ziemlich schwer ohne Kran oder blaue Rohre im Hintergrund etwas zu fotografieren. Ich hoffe, dass unsere Wildhasenpopulation nicht zu sehr darunter leidet. Ich sehe so wenig von ihnen dieses Jahr!

Trotzdem sind wieder Zugvögel, die nicht weit wegfliegen sondern im Mittelmeerraum überwintern, zurückgekommen, wie der Rotmilan, die Mönchgrasmücke oder der Hausrotschwanz. Man hört manchmal auch schon den Zilpzalp, noch ungeschickt und leise. Ich wünsche, dass mindestens das Wetter in diesem Frühling für die Tiere erfreulicher als letztes Jahr wird, so dass wir viel Nachwuchs haben werden.

Nun ist es mir gelungen endlich die ganze Amazonenpopulation einzeln zu bestimmen. Eine fast 5 Jahre lang dauernde Arbeit! Ich bin jetzt total gerührt zu sehen, wie die kleinen Kerlchen, die ich noch in ihrem Nest sitzend und ängstlich und neugierig in die Außenwelt schauend kennengelernt hatte, gemausert und ein schönes Gefieder bekommen haben, teilweise einen Partner gefunden haben und jetzt täglich bei den Älteren lernen, wie man ein Revier findet und es verteidigt. Bei den Amazonen dauert es einige Jahre, bis dass sie geschlechtsreif werden. Hoffentlich werde ich sie noch lange beobachten können.
Hier können Sie ein paar Fotos von diesem Frühling anschauen!



Bildergalerie vom Winter 2016-17



Nach Silvester sowie der kalten Welle im Januar wurde ich oft gefragt, wie es unseren Amazonen geht. Prima! Möchte ich sagen.... oder fast. In den letzten Tagen wurden immer wieder 57 bis 58 Amazonen in Bad Cannstatt auf ihren Schlafplätzen gezählt, während am 31 Dezember sie 59 waren. Ob die fehlenden 1 oder 2 Papageien in der Silvesternacht verschwunden sind, können wir leider nicht feststellen. Ich habe sie am Silvesterabend und am 1. Januar besucht. Sie waren sehr angespannt und litten eindeutig unter dem für sie unverständlichen Krach und Gestank. Danach haben sie die Polartemperaturen tapfer überstanden. Sogar "Karl der Kahle", ein Amazonen-Männchen, dessen Federn von seinem Weibchen manchmal gerupft werden und "halbnackt" ist, hat die extreme Kälte überlebt! Da waren wir richtig froh. Um die Kälte zu überleben haben die Amazonen keine bestimmte Strategie. Sie sitzen einfach apathisch in Bäumen und warten auf eine bessere Zeit. Bisher haben sie genug Nahrung in den Schreber- sowie Privatgärten gefunden, nämlich Walnüsse, Äpfel, Zieräpfel und Eiben. Die Schnurbäume, die auch eine gute Nahrungquelle für die Amazonen im Winter sind, tragen dieses Jahr leider wenig Schoten, wahrscheinlich weil sie letztes Jahr zu drastisch zurückgeschnitten wurden. Nun haben die Amazonen alle Walnüsse weggefressen und suchen nach den letzten Eibensamen...
Wenn Sie frühmorgens im Park spaziergehen, haben Sie gute Chancen diese außergewöhnlichen Vögel zu beobachten. Die Brutpaare verteidigen schon jetzt heftig ihr Brutrevier!

Hier können Sie ein paar Winterfotos anschauen, die ich in der letzter Zeit im Park sowie in der Umgebung von Stuttgart gemacht habe.



Wird die Platanenallee S21 überstehen ?


Die Felix Mendelssohn Allee im Unteren Schlossgarten, die einfach als "Platanenallee" bekannt ist, ist ohne Frage das Herz der ganzen Parkanlage in Stuttgart. Sie ist einmalig nicht nur wegen ihrer majestätischen Schönheit sondern auch als besonderer Brutplatz für die Hohlenbrüter wie Hohltauben, Dohlen, Gelbkopfamazonen oder Waldkäuze.

In der letzten Zeit besonders während meiner Ausstellung wurde ich oft gefragt ob die Allee von dem Projekt Stuttgart 21 verschont bleibt. Mittlerweile sind die Bürger richtig skeptisch geworden gegenüber den politisch Verantwortlichen ! Sie glauben nicht mehr wortlich was erzählt wird.

Zunächst gibt es keinen Abholzungsplan für die Allee. Trotzdem kann ich keine totale Entwarnung geben. Kürzlich wurde ich vom BUND gefragt über die Möglichkeit Nistkästen für die Brutvögel der Platanenallee aufzuhängen. Der Grund dafür war tatsächlich weil es zu befürchten ist, dass die Platanenallee wegen der Bauarbeiten besonders des Wassermanagements für S21 Schäden nehmen könnte und die Vögel dort ihre Brutmöglichkeiten verlieren könnten.

Im Rahmen der Arbeiten für das Projekt Stuttgart 21 wird eine riesige Menge vom Grundwasser abgepumpt. BUND warnt, dass durch diese Wasserentnahme die ca. 700 Bäume in gesamtem Park im Trockenen sitzen und aussterben können.

Aber die Gefahr für die Platanenallee, die in tieferer Lage sich befindet, ist anders. Dem BUND nach sollen alle Fachbehörden einräumen, dass durch die Infiltration der Grundwasserspiegel dort ansteigen und die Platanen in der Allee Schaden nehmen könnten. Dort befindet sich der Grundwasserspiegel jetzt schon nur knapp 2 Meter unter der Geländeroberkante. Bei einem nur geringfügigen Anstieg würden die Wurzeln der Platanen im Wasser stehen und dadurch rasch absterben. Bei Bäumen ist die Gefahr des schnellen Erstickens durch Ertrinken viel gefährlicher als das langsame Austrocknen - dies kann man auch an vielen Zimmerpflanzen studieren.

Mehr Information über das Wassermanagement vom BUND

Das Grundwasser Management wurde juristisch mit der Genehmigung der 7. Planänderung im September 2014 legitimiert. Die Genehmigungsbehörde Eisenbahn Bundesamt (EBA) argumentiert, dass mit einem verschärften Monitoring man die Gefahren für die Allee minimieren kann...

Also ausgeschlossen sind sie nicht.


Ein Mittelspecht in der Platanenallee - Juni 2014